Samstag, 08.06.24
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Dieser Artikel wurde von Björn Grimm geschrieben und 1512 mal gelesen.
Elternbrief - Beschluss der Stadtverordneten über die Unterbringungskosten von Sportschülern
Alexander Grimm aus Luckenwalde besucht das Friedrich-Gymnasium, profitiert enorm davon und trainiert zusammen mit den Internats-Sportschülern.

Alexander Grimm aus Luckenwalde besucht das Friedrich-Gymnasium, profitiert enorm davon und trainiert zusammen mit den Internats-Sportschülern.

    Die Stadtverordneten haben in der Sitzung vom 28.5.2024 beschlossen, die Gebühren für die Nutzung des Wohnheims der Stadt mit Wirkung zum 1.9.2024 um 71% zu erhöhen. Das Wohnheim (allgemein Internat genannt) wird von jungen, engagierten und leistungsorientierten Menschen genutzt, die die Sportklassen der Ludwig-Jahn-Oberschule in Luckenwalde besuchen. Die monatlich aufzubringenden Kosten für Unterbringung und Verpflegung betrügen damit nun knapp 500 Euro pro Schüler. Kosten für Wochenendheimfahrten und hohe Eigenanteile für die Teilnahme an Wettkämpfen und Trainingslagern exklusive.

    Offenbar kommt es durch Änderungen in der praktischen Handhabung (Schulessen) am Ende gar zu noch höheren Kosten. Von Steigerungen um bis zu 100% ist die Rede.

    Die allein betragsmäßig schon maßlose Erhöhung trifft die Sportschüler und deren Eltern zur denkbar ungünstigsten Zeit. 6 Wochen vor dem Schuljahresende, stehen viele der Schüler im Prüfungsstress. Viele haben Ihre weitere schulische Laufbahn hier in Luckenwalde fest eingeplant und bekommen nun mehr oder weniger die Pistole auf die Brust gesetzt. Die Information erhielten sie in einer drei Sätze langen E-Mail des Wohnheimleiters.

    Luckenwalde ist als Sportstadt nahezu bundesweit bekannt. Anders gesagt, wenn jemand hört man kommt aus Luckenwalde, dann antwortet der, der damit was anfangen kann eigentlich immer: „Ah… Ringen ne?“. Und neuerdings kennt man uns auch vom Fußball. Regional hat man in den letzten Jahren teilweise erkannt, dass man hier auch ganz gut Wohnen kann. Das liegt nicht zuletzt am Vereinswesen in der Stadt, insbesondere beim Sport. Ich spreche aus Erfahrung.

    Ich möchte hier nicht über die integrative, identitäts- und sinnstiftende Wirkung des Sports referieren. Die sollte jedem bekannt sein. Auch nicht über die herausragende Rolle des Leistungssports in der Persönlichkeitsentwicklung und damit ganz allgemein für die Förderung starker und leistungsfähiger Persönlichkeiten. Persönlichkeiten, die wir in ganz Deutschland dringend brauchen und natürlich insbesondere für unsere Stadt dringend suchen und binden wollen (sollten). Jeder klagt es gäbe sie nicht, aber was tun wir, um sie zu bekommen?

    Die allgemeine Jammerei über die Jugend heutzutage, sie mag ja in Teilen berechtigt sein… Wir reden hier aber über Menschen mit großen Zielen, die bereit sind viel dafür zu geben. Die täglich neben der Schule bis zu 4 Stunden trainieren, Ihre Ferien um die Trainingslager herum organisieren und an Wochenenden oft tausende Kilometer fahren, um unsere Stadt im gesamten Bundesgebiet und in Europa zu repräsentieren.

    Die Entscheidung zur Erhöhung der Gebühren ist ein Knieschuss für den größten Verein in Luckenwalde. Der 1.LSC konnte mit seiner Zugpferdabteilung Ringen, vor allem aufgrund äußerer Umstände, wie begrenzter regionaler Wirtschaftskraft und Landes-Sportpolitik den (eigenen) Ansprüchen in den letzten 15 Jahren kaum gerecht werden. Es geht ihm dabei wie vielen ländlichen Sportvereinen im Osten wie im Westen. Und entsprechend der aktuell vorherrschenden Unzufriedenheit schwelgen viele in der Vergangenheit und beschreiben auch heute noch lethargisch ausschließlich den Niedergang.

    Das Gegenteil ist der Fall!


    Eigentlich herrschte gerade Aufbruchstimmung. Zumindest bei denen, die anpacken und nach vorne blicken. Wie fast immer sind es nicht einzelne (wenn auch wichtige) Entscheidungen, die etwas bewirken, sondern das Zusammenspiel dieser Entscheidungen. Wie immer muss man ausdauernd sein und auch mal schauen, wo es vielleicht etwas nachzujustieren gibt. Evaluation nennt sich das. Man muss es aber eben auch tun und nicht nur als gerade angesagte Worthülse benutzen…

    An Schulen einen Elitestatus und ein paar tausend Euro jährlich zu vergeben oder sich als einzelne Ehrenamtler aufzureiben, ändert letztlich gar nichts, wenn nicht auch an vielen anderen Stellschrauben gedreht wird, man den Dingen ein Konzept voranstellt, das nötige Umfeld schafft und den Dingen dann auch die nötige Zeit gibt. Dieses Gesamtgefüge stimmt bei den Ringern des 1.LSC seit ca. 2 bis 3 Jahren erst wieder, bedeutet aus sportlicher Sicht aber einen radikalen Umbruch.

    In Luckenwalde trainieren aktuell 4 deutsche Nachwuchsmeister der Jahre 2023 und 2024. Als jüngste Sportler der Jahrgänge 2007 bis 2009 errangen unsere Jungs und Mädels in diesem Jahr Silber und Bronze sowie weitere gute Platzierungen. Die Krönung gelang der erst 14-jährigen Nelly Zierenberg, die den Deutschen U17-Meistertitel errang und als Luckenwalderin bei den Europameisterschaften nun die Nationalfarben tragen wird. Alles Sportler, die hier in Luckenwalde trainieren, hier ihren Lebensmittelpunkt haben, Ihren Schulabschluss machen und dann möglicherweise auch hierbleiben wollen. Wir reden also über Kinder dieser Stadt, über unsere Führungs- und Fachkräfte von morgen (nicht erst übermorgen).

    Die aktuelle Diskussion über das Ringen in Luckenwalde, wird beherrscht vom Rückzug aus der Regionalliga: Es geht weiter abwärts…

    NEIN! Der Abwärtstrend wurde gestoppt. Wir befinden uns im Aufbau. In einem geduldigen und nachhaltig wirkenden Aufbau. Dazu gehört die Abkehr vom lange Jahre gepflegten Söldnerprinzip, bei dem man für die Wettkämpfe Gastsportler verpflichtete, die nicht in Luckenwalde trainierten und die hier kaum jemand kannte, weil sonst keine Mannschaft voll wurde. In der kommenden Saison (ab September) sehen wir - sehen Sie, wenn Sie sich für unsere Stadt und deren Potenzial interessieren und sich für Leistung begeistern können - ausschließlich UNSERE Jungs auf der Matte stehen. Jungs, die für ihren Sport und ihren Verein und damit für unsere Stadt brennen und weiter mit Weitsicht aufgebaut werden sollen.

    Erfolge sind abhängig von Geld. Ohnehin nicht gerade üppige Fördergelder, die aktuell in großem Umfang weggestrichen werden und wohl auch Anlass für die Gebührenerhöhung sein mögen, sind aber nur die eine Seite. Wie viele andere Privatpersonen auch, fördern wir persönlich die Nachwuchsarbeit des Vereins und der Sportschule regelmäßig. Geld aber ist nichts ohne Engagement. So sind wir auch ehrenamtlich an vielen Wochenenden dabei. Aber auch das reicht nicht.

    Die Lehrertrainer, die wir seit 2-3 Jahren hier in Luckenwalde haben opfern sich auf und sind der Schlüssel zu den Erfolgen, die wir zuletzt feiern konnten. Die Lehrertrainer sind ebenso junge Menschen, die sich vor kurzem erst dazu entschlossen haben, sich hier hauptberuflich zu engagieren und unsere Stadt so voranzubringen. Die dafür andere Jobs aufgegeben haben. Mit der Gebührenerhöhung steht letztlich auch deren Job auf dem Spiel.

    Nicht alle jungen Ringer sind an der Sportschule und wohnen im Internat. Unser Sohn, gerade 15 geworden, Deutscher U14-Meister 2023 und zuletzt bei einem großen internationalen Turnier in Bremen als bester U17-Ringer ausgezeichnet, besucht das Friedrich-Gymnasium und wohnt zuhause. Aber auch er profitiert natürlich enorm davon, Teil der Trainingsgruppe des Lehrertrainers Sebastian Möser zu sein. Nelly Zierenbergs Erfolg wäre ohne Lehrertrainer Steven Müller wohl ebenfalls ein unerfüllter Traum geblieben.

    Der 1.LSC fungiert seit Jahren als integrativer Staubsauger für unsere Stadt. Er vermittelt Kindern ab dem Krabbelalter Körperbewusstsein und Spaß an der Bewegung. Viele dieser Kinder haben Migrationshintergrund und bekommen hier Wertschätzung, Anerkennung, Perspektive.

    Die Leistungsorientierung der Sportschule, des Vereins und die Zukunft unserer Stadt hängen voneinander ab. Ohne Leistungsorientierung bleibt ein großes Potenzial des Sports ungenutzt. Darum ist eine Aufrechterhaltung kommunaler Sportförderung aus ganz banalem Eigeninteresse heraus enorm wichtig. Und zwar gerade dann, wenn Landes- und Bundesmittel wegbrechen.

    Das Alles wird mit der Entscheidung zur Gebührenerhöhung aufs Spiel gesetzt. Denn Viele werden sich die eklatante Gebührenerhöhung nicht leisten können. Man kann sich denken, dass junge Menschen aus wirtschaftlich satten Elternhäusern eher nicht diejenigen sind, die bereit sind, die beschriebenen Strapazen auf sich zu nehmen.

    Es handelt sich somit auch um eine schallende Ohrfeige für die eigene Wählerschaft, direkt vor der anstehenden Kommunalwahl. Chapeau. Die SPD-Luckenwalde wirbt auf ihrem Instagram-Account mit „Alle jammern - Wir machen…“ Ich würde anfügen wollen „… Luckenwalde als Sportstadt kaputt.“ Meint die Bürgermeisterin das, wenn sie sagt „zur Durchsetzung ihrer Ziele (bräuchte Sie) eine starke Fraktion ihn der Stadtverordnetenversammlung“?

    Die Entscheidung ist damit nicht nur ein Knieschuss für den Verein und unsere Stadt, sondern letztlich vor allem auch für den, der die entsprechende Beschlussvorlage eingebracht hat. Und das ist eine rein objektive Einschätzung, weit weg von populistischem Gedröhne oder der Absicht sich selbst für irgendetwas zu profilieren.

    Und irgendwie erinnert das Ganze fatal an die Absicht Schulen zu schließen vor ca. 10 Jahren, kurz bevor man die Platzzahlen dann drastisch erhöhen musste. Aber das konnte man damals, wie auch gerade wieder in Süddeutschland geschehen, ja alles nicht kommen sehen…


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    Tabelle Regionalliga
    • 1.FC Erzgebirge Aue26:224
      2.RV Thalheim24:420
      3.RSK Gelenau18:108
      4.AC 1897 Werdau16:124
      5.KFC Leipzig10:18-8
      6.1. Luckenwalder SC7:21-14
      7.RC Germania Potsdam7:21-14
      8.WKG Pausa/ Plauen4:24-20
    • 1.FC Erzgebirge Aue14:014
      2.RV Thalheim14:014
      3.RSK Gelenau10:46
      4.AC 1897 Werdau8:62
      5.KFC Leipzig4:10-6
      6.1. Luckenwalder SC4:10-6
      7.RC Germania Potsdam3:11-8
      8.WKG Pausa/ Plauen3:11-8
    • 1.FC Erzgebirge Aue12:210
      2.RV Thalheim10:46
      3.AC 1897 Werdau8:62
      4.RSK Gelenau8:62
      5.KFC Leipzig6:8-2
      6.RC Germania Potsdam4:10-6
      7.1. Luckenwalder SC3:11-8
      8.WKG Pausa/ Plauen1:13-12
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