Sportkomplex Fliederweg 1 - 14943 Luckenwalde Sportkomplex Fliederweg 1 - 14943 Luckenwalde | Telefon +49 3371 610596 +49 3371 610596 | E-Mail

1. Luckenwalder Sportclub

Vor dem Gipfelsturm

Der 1. Luckenwalder SC will sich am Sonnabend Deutschlands Ringer-Krone aufsetzen
Samstag, 04.03.06
Author | Aufgerufen 1702
Bundesliga

Luckenwalde Unbestritten: Die Zeichen stehen enorm günstig für den 1. Luckenwalder SC, dass er sich am Sonnabend die deutsche Ringer-Krone im Mannschaftswettbewerb aufsetzen kann. Vor der Zeremonie, die Manfred Werner, der Präsident des Deutschen Ringer-Bundes, vornehmen wird, steht allerdings "noch etwas Arbeit auf der Matte bevor", tut LSC-Cheftrainer Fred Hempel mit einer gewissen Beiläufigkeit kund. Wenn der unangefochtene Nord-Bundesligist am Sonnabend um 19.30 Uhr die "jungen Wilden" des SV Siegfried Hallbergmoos (Dritter der Südstaffel) in der Fläminghalle von Luckenwalde empfängt, hat er bereits ein Polster von neun Punkten für den Endkampf. Diesmal gelingt's.

"Wir verstehen das aber gewiss nicht als Ruhekissen", verkündet Hempel. Die höchsten Weihen des deutschen Ringkampfs sollen "in einem letzten fairen und spannenden Wettbewerb" gegen die Rand-Münchener erworben werden. Während die Gastgeber über die Stationen Schifferstadt und Mömbris/Königshofen ins Finale gelangten, schalteten die "Siegfriede" erst Neuss und dann überraschend die Köllerbacher aus.

In Luckenwalde mit seiner über einhundertjährigen Ringer-Tradition, seinen vielen DDR-Meistern und international erfolgreichen Aktiven lässt die historische Chance des Vereins, erstmals nach der Wende einen Titel in den deutschen Osten zu entführen, kaum jemanden unberührt. "Eigentlich sind wir mal dran", findet Harald Melchior, der auf der Breiten Straße, der Bummelmeile der Stadt, ein Foto-Geschäft führt. "Das wird eine sichere Sache. Die Jungs haben sich bisher super geschlagen", findet Bank-Managerin Doreen Jannek. "Wir gehen ganz in Familie, meine beiden Söhne, mein Mann und ich." Diesmal wird's.

Auch der Rentner Manfred Regenberg will mit seinem Schwiegersohn Hans-Joachim "unbedingt kommen". In den Siebzigern hat der Kfz-Meister den Ringer-Talenten der Kinder- und Jugendsportschule während der Berufsausbildung beigebracht, "wie man einen Automotor repariert". Postbote Lutz Kleinert will noch mal drüber nachdenken, ob er diesen wichtigen Moment nicht auch bezeugen will: "Mal sehen, meine Kumpels von der Freiwilligen Feuerwehr schieben Brandwache in der Halle."

Im Vorjahr waren die Sportler aus der Flämingstadt beim Finalrückkampf gegen Schifferstadt schmachvoll gescheitert. Danach explodierte LSC-Aufsichtsratschef Reinhardt Töpel vor Wut: "Die Leistung einiger Sportler grenzte an Arbeitsverweigerung!" Der Groll des Unternehmers, der mit der ReiCo-Gruppe als Hauptsponsor des Vereins aktiv ist, über die verpasste Chance saß tief. Sehr tief sogar. Der Vizemeister-Titel wäre "keine Feier wert", wetterte er. Nur kurz nach der Niederlage setzte Töpel die konsequente Neuformierung des Teams in Gang, zu der neben der Trennung von einigen ausländischen Athleten ("Fehleinkäufe") auch die Entlassung von Roland Gehrke (Weltmeister im Freistil 1981), dem langjährigen Coach, gehörte. Seit dem Jahr 2000 hatte der Firmenchef geholfen, den Verein, der eine siebenstellige Summe an Verbindlichkeiten angehäuft hatte, schrittweise zu entschulden und auf eine solide wirtschaftliche Basis zu stellen.

Nach diesen harten Schnitten lenkte fortan Fred Hempel, bereits Coach von 1991 bis 2000, die Geschicke des Bundesligisten. Zu Saisonbeginn lautete die unerschütterliche Kampfansage des Machers Töpel ("Ich bin kein Loser-Typ.") nicht anders als im Jahr zuvor: "Unser klares Ziel ist es, erstmals den Titel in die neuen Länder und damit nach Luckenwalde zu holen."

Noch penibler wurde die Ringertruppe - bestehend aus deutschen Athleten und ausländischen Welt- und Europameistern - für dieses ehrgeizige Vorhaben komplettiert, abgesichert durch einem Etat von rund 400 000 Euro. Bei der Feinjustierung half besonders Stefan Iwanov, der bulgarische Top-Athleten ins Spiel brachte. Wer in dieser Saison Ringen auf internationalem Niveau erleben wollte, brauchte sich lediglich nach Luckenwalde zu begeben. "Da sind Charaktertypen am Werk, die nach sportlichen Meriten streben. Das ist eine Meute, die ist schwer in Ordnung", lobt Töpel den professionellen wie kameradschaftlichen Auftritt der Luckenwalder. Angesichts des "Gipfelsturms bin ich ganz ruhig".

Hempels Jungs konnte in diesem Wettkampfjahr niemand das Wasser reichen. So stiehlt sich ein Lächeln froher Erwartung ins Gesicht von LSC-Präsident Ullrich Engelmann: "Wir sind deutlich einen Schritt weiter, das beruhigt mich." Und dann sagt er siegesgewiss noch diesen zukunftsweisenden Satz: "Ich finde, so ein Erfolg sollte keine Eintagsfliege bleiben."

Schifferstadt, Finalgegner 2005, wurde als zugeloster Herausforderer bereits im Viertelfinale weggeputzt - "im vorgezogenen" Finale, wie Beobachter meinen. Jetzt folgt der sportliche Schlussakkord. "In der Halle werde ich die ganze Kraft meiner Stimmbänder einsetzen", verspricht Peer Giesecke. Der Landrat von Teltow/Fläming ("Ringen ist der ästhetischste Sport, den ich kenne") verpasste keinen Heimkampf und hofft auf das "Kreisereignis des Jahres". Der Politiker weiß um die Strahlkraft des Sports für die gesamte Region, die auch ein "gemeinsamer Kraftakt der Sponsoren ist".

Große Erwartungen, große Überraschungen sind für den Sonnabend geplant. Die heimische Fläminghalle wird wiederum für ein großes Publikum hergerichtet. Das 12x12 Meter große Kampfareal erhält wie im Viertelfinale erneut ein Podest. "Es wird ein Großereignis, mit Tanzdarbietungen, einer Tombola der Sparkasse, dramatisch wallendem Trockeneisnebel, Musik und natürlich furiosen Kämpfen", verrät LSC-Marketing-Fachmann Bernd Fassbender ein wenig von den Vorbereitungen. Eine Firma baue für den Einlauf der Teams ein Gerüst auf. Es soll der Triumphbogen der Gastgeber werden.

Darüber, wie nach dem über Jahre heiß ersehnten Sieg die Meisterfeier aussehen könnte, hüllt sich die Vereinsführung noch in Schweigen. Lautstark will indes der LSC-Fanclub das Aufeinandertreffens begleiten. "Wir sind gut drauf, bringen Wunderkerzen mit und schwenken unsere Schals", freut sich Peter Swietlik, der Chef der Getreuen, auf den Auftritt der Luckenwalder. Landrat Peer Giesecke hat sich übrigens ein Höhenfeuerwerk gewünscht. "Wie anders soll man den Sieg sonst würdigen?" Nicht nur Luckenwalde freut sich, wenn die Raketen in den nächtlichen Himmel aufsteigen. Diesmal wird's. (Ralf Thürsam)