Kurz vor dem Ringer-Olymp
Luckenwalde. Peer Giesecke springt, hüpft aufgeregt hin und her, trampelt wie wild, applaudiert und schreit sich die Seele aus dem Leib. Der Landrat des Kreises Teltow-Fläming ist als Zuschauer bei den Kämpfen der Luckenwalder Ringer aus dem Häuschen und kaum zu bremsen. "Ich kann mit stolz sagen, dass ich in dieser Saison trotz eines vollen Terminkalenders noch keinen Heimkampf der LSC-Riege verpasst habe", erklärte der 54-Jährige auf der wöchentlichen Pressekonferenz des Vereins. Und das wird wohl so bleiben. Morgen steigt mit dem Finalrückkampf gegen Hallbergmoos der Saisonhöhepunkt. Giesecke wird natürlich wieder mit von der Partie sein.
Die Luckenwalder stehen kurz davor, den Ringer-Olymp zu besteigen. Daran gibt es eigentlich seit dem gewonnenen Prestigeduell gegen den Titelverteidiger VfK Schifferstadt im Viertelfinale kaum noch Zweifel. Die folgenden Mannschaftskämpfe gegen Mömbris/Königshofen und eben Hallbergmoos sind eher als Schaulaufen der LSC-Ringer einzuordnen.
Landrat Giesecke hat jedenfalls seinen Spaß daran. Seine Liebe zum Ringen geht sogar soweit, dass er sich schon mal terminlich verplant. So rief Giesecke am Samstag während eines Privatbesuches von Köln aus ganz aufgeregt beim LSC an, um zu erfahren, wie sich die Luckenwalder in Hallbergmoos geschlagen haben. Kampftermin war aber erst am Sonntag. "Das war mir schon peinlich. Bloß gut, dass ich nicht nach Hallbergmoos gefahren bin, da hätte ich am Samstag vor verschlossener Halle gestanden", nahm es der Landrat mit Humor. Als Gesprächspartner der Journalisten outete er sich in dieser Woche als Fan des Ringkampfsports. "Wenn ich bei Hertha im Berliner Olympiastadion zu Gast bin, sehe ich die Fußballer auf dem Rasen nur als kleine Ameisen laufen, in der Fläminghalle kriege ich dagegen unmittelbar an der Matte bis ins kleinste Detail alles mit. Ringen ist für mich ein ästhetischer Sport, ganz anders als Boxen, das ich persönlich furchtbar finde."
Der SPD-Politiker, der in der Vergangenheit dem LSC-Aufsichtsrat angehörte, aber aus beruflichen Gründen den Posten freiwillig räumte, gibt sich bescheiden, wenn es um seinen Anteil am Aufstieg der Luckenwalder Ringer geht. Schließlich war es Giesecke, der vor Jahren den Nunsdorfer Unternehmer Reinhardt Töpel ins Boot holte. Der heutige LSC-Aufsichtsratsvorsitzende gilt nicht nur wegen des Geldes, das er in den Verein pumpte, sondern auch wegen seines strikten Leistungswillens als Vater des Erfolges.
Die Luckenwalder Ringer sowie die Macher und Sponsoren hinter den Kulissen stehen kurz davor, die Früchte ihrer Arbeit zu ernten. Denn es geht nicht nur um den sportlichen Erfolg, sondern um knallharte wirtschaftliche Interessen. Beim Pressegespräch wurde einmal mehr deutlich, dass eine mögliche deutsche Mannschaftsmeisterschaft der LSC-Ringer wesentlich dazu beitragen kann, das Image der Region weiter zu verbessern. "Luckenwalde wird einen ganz anderen Stellenwert bekommen. Viele werden den Ort auf der Landkarte suchen und sehen, dass er ganz in der Nähe von Berlin und damit gar nicht in der Provinz liegt. Wer sich dann näher mit der Region beschäftigt, wird erfahren, welche wirtschaftliche Stärke und touristischen Potenziale der Landkreis hat", erklärte der Landrat, der "Werbung ohne Ende" durch einen deutschen Meister aus Luckenwalde versprach und auf ein volles Haus in der Fläminghalle hofft. (Frank Neßler)
