Ausländer als schmückendes Beiwerk
Luckenwalde. Der 1. Luckenwalder SC beherrscht in der Ringer-Bundesliga Nord die Konkurrenz, und die 21 Ausländer im Kader bilden nur schmückendes Beiwerk. Beim 29:7-Erfolg zuletzt in Aue garnierten zwei Weltklasseleute das LSC-Team – beide verloren. Sowohl der Pole Artur Michalkiewicz, Europameister 2006, als auch der Tscheche Marek Svec gaben die Punkte ab, Svec gegen den aus Falkensee stammenden Nico Schmidt. Einige Luckenwalder Fans spotteten bereits: "Wozu brauchen wir Ausländer, wenn die verlieren."
Lediglich gegen den starken Türkischen Ringer Verein Berlin bot der LSC sechs Ausländer auf, gegen Leipzig nur Mark O. Madsen. Der dänische Vizeweltmeister soll das Team auch schmücken, wenn der LSC am Sonnabend bei der KG Frankfurt (Oder)/Eisenhüttenstadt die Rückrunde eröffnet. Coach Erik Hahn wechselt auch zum Landesderby nach dem Motto: "Ich will alle mal sehen", fröhlich durch. "Die stärkste Truppe brauchen wir hinten raus, wenn am 29. Dezember der erste Achtelfinalkampf ansteht."
Derweil müssen Luckenwaldes Asse nicht um die "Mäuse" bangen. Sie werden mit einer vereinbarten Fixsumme oder zugesagten Einsatzzeiten auch finanziell bei Laune gehalten. Abwegig sind allerdings die 30 000 Euro, die laut Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung Spitzenringer in der Bundesliga pro Saison verdienen. "Absolut falsch", sagt Bernd Fassbender. Der Geschäftsführer der Nelson GmbH, die die finanziellen Belange des LSC abwickelt, spricht von "höchstens der Hälfte. Soviel gibt es aber auch nur für Welt- oder Europameister."
Kantersiege des Vizemeisters aus Luckenwalde und die oft schwache Resonanz lassen die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Bundesliga mit drei Staffeln von je acht Teams aufkommen. Gegen Thalheim begrüßte der LSC gerade mal 144 zahlende Zuschauer. Doch gegen Veränderungen ist der Ringer-Bund resistent, weil er bei 24 Mannschaften im Oberhaus bestens Kasse macht. 4000 Euro muss jeder Verein als Kaution hinterlegen – Rückzahlung ungewiss. Die Vereinslizenz kostet 300 Euro, für jeden Starter kommen 75 Euro hinzu. 2000 Euro sind fällig, sobald ein Ausländer bei einem Verein unterschreibt. Der Ringer-Bund kassiert auch bei Wechseln in der Liga mit ab.
Und schließlich werden auf dem Weg in die Endkämpfe Gebühren fällig. Der LSC zahlte zuletzt für die Finalteilnahme satte 7500 Euro – verlangt nun einen Teilbetrag zurück. Am 16. Dezember 2006 war Schifferstadt zur Zwischenrunde nicht in Luckenwalde angetreten. Die leckeren Menüs für die VIPs wanderten in den Mülleimer. Der LSC blieb an diesem Tag insgesamt auf 13 000 Euro Unkosten sitzen. Die höfliche Anfrage, wenigstens einen Teil der 7500 Euro zurückzuerstatten, ignoriert der Verband. (DB)
